Gut genug?

GUT GENUG?

 

PERFEKTIONISMUS – ICH DOCH NICHT...

 

Alltags-, Arbeits-, Ernährungs- oder Persönlichkeits-Perfektionismus?

 

Wir leben in unserer eigenen Bilderwelt. Davon hängt unser Wohlbefinden ab. Damit meine ich gar nicht mal die endlosen Bilder oder Videos die wir uns täglich via Smartphone & Co reinziehen oder die Serien die wir streamen.

 

Es geht um Muster. Starre Bilder. Die eigenen, unbewussten Ansprüche. Fantasien einer optimalen Version unserer selbst im Vergleich zu anderen. Verankert irgendwo zwischen Gedankenkarussell und Unterbewusstsein. Diese Bilder und Vorlagen sind die Grundlage für tausend SOLL-IST-Vergleiche, die vollautomatisiert ablaufen. Die im Hintergrund unser Fühlen massiv beeinflussen. Ein Mechanismus der uns immer ein bisschen auf Trab hält:

 

Wie es sein soll. Und wie es eben nicht ist. Und warum es nicht so ist...? Verdammt noch mal!!

 

Nobody is perfect

Der Vergleich macht uns sicher: Ganz passt es nicht.

 

Ein bisschen mehr anstrengen. Vielleicht ein Coaching machen? Mehr Sport? Endlich gesünder ernähren? Eine entspannte Mutter sein? Daheim ordnen und ausmisten? Erfolgreich sein und richtig Asche machen? Sich mehr gönnen, bewusster genießen?

 

Wieviel Energie kostet das eigentlich? Und woher nehmen wir sie bzw. welche Bereiche bleiben dafür unterversorgt?

 

Zwischen den Welten

Das Dilemma, in dem wir uns befinden, sind 2 Anspruchs- bzw. Gedankenwelten, in denen wir uns bewegen und die sich im Grunde gegenseitig torpedieren:

 

1) Alles ist möglich (wenn man nur will)

Hol alles aus dir raus! Du kannst es! Du schaffst es! Du bist ANDERS! Alles ist möglich! DU hast es in der Hand! WAG es! TU es! Zeig allen wie super du bist. Die Welt liegt dir zu Füßen. Es gibt kein Schicksal! Andere können das auch! 

 

2) Kultur des Fehler-Suchens

Wir haben die Fähigkeit kultiviert, das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden!
Unser gesamtes Schulsystem baut darauf auf. Unsere Arbeitseinstellung ebenfalls. Richtig oder gar nicht. Alles andere passt nicht. Wäre peinlich. Tut weh. Bringt Ärger. Dabei geschieht fast alles vor Publikum. Wir beobachten uns gegenseitig. Vergleichen, lästern, beneiden, bejubeln, belächeln, bewerten. Offen oder hinterrücks. Und natürlich lassen wir uns nichts anmerken…

 

Wenn wir etwas wagen muss es natürlich toll sein UND es soll auf Anhieb gelingen. Durch Versuch und Irrtum etwas zu erreichen ist erst im Nachhinein super. Das überlassen wir schön den anderen. Also lieber auf der sicheren Seite bleiben…?

 

Fehlerfrei und Sicher

Wie gut ist gut genug? Ist das nicht von vornherein schon schwach? Kann „gut genug“ überhaupt ein Ziel sein? Der Nachgeschmack ist doch etwas fahl…

 

Perfektionismus betrifft uns alle, nicht nur diejenigen die penibel aufgeräumte Schubladen, einen Top-Lebenslauf oder einen durchorganisierten Alltag haben. Perfektionismus und überzogene Ansprüche schleichen sich in unser Freizeit-, Arbeits- und Familienleben ein. In Form von „sollte“ und „könnte“. In Form von Überforderung, Stress, Unzufriedenheit und dem Gefühl des Versagens.

 

Perfektionismus beeinflusst die Bewertung unserer eigenen „Performance“ im Vergleich zu anderen. Er lässt uns zaudern. Macht mutlos. Plündert unsere Energiereserven.

 

Auch ich war manchmal unsicher was das Schreiben betrifft. Wälzte Gedanken und Ausreden wie „andere können das

besser, das ist nicht mein Ding, bringe ich überhaupt auf den Punkt was ich vermitteln möchte"  etc.

 

Neulich kam mir folgendes Zitat unter -  und es hat direkt in mein Herz getroffen:

 

„Korrektheit in allem birgt die Gefahr kleinlich zu werden.

Im Großen aber muss auch etwas sein,
was vernachlässigt wird;

und vielleicht muss es sogar so sein,

dass kleine und mittelmäßige Geister,
die nie etwas wagen und nie nach den
Sternen greifen,

in der Regel fehlerfrei und sicher bleiben,
während das Große eben durch seine Größe strauchelt.

Freiheit vor Fehlern schützt vor Tadel - 

das Große hingegen erntet Bewunderung."

 

(Vom Erhabenen, Longin, 33/2)

 

 

Also, ich schreibe über Themen die mir am Herzen liegen. Ich freue mich darüber wenn es gut ankommt, berührt oder zum Nachdenken anregt. Wenn nicht, war es mir das trotzdem wert. Es macht mir Spaß und ich lerne dazu - das ist es was zählt!

 

SO-SEIN

Wer von uns kann noch fühlen, wissen, verstehen, dass er/sie GUT ist? Genau so gemeint und gewollt wie man eben ist. EXAKT SO. Ohne Ausreden. Ohne Wenn und Aber?

 

Ich meine kein Sich-Einreden, dass alles gut ist nur um dort stehen zu bleiben wo man ist. Sondern das tief im Inneren schlummernde Wissen, die spürbare Freude und das volle Vertrauen in sich selbst und das Universum. Selbst kurze Momente in diesem Modus sind einfach nur wunderbar.

 

Wir unterschätzen wie sehr wir verletzt wurden, und was das mit uns macht. Wir erkennen nicht, was in uns wirkt und wie stark diese Kräfte uns zusetzen. Was durch unser emotionales Erbe alles mitschwingt. Was uns unbewusst niederdrückt, bedrängt und verunsichert.

 

Wir haben jedoch die Chance, uns ein Stück weit vom Perfektionismus zu befreien und ein weitgehend zufriedenes und gelassenes Selbst zu leben.

 

Es gibt viele Wege um diesem Ziel näher zu kommen, und eine möglichst gute Zeit auf dieser wundersamen Welt zu verbringen.

 

Das Sich-Bewusst-Werden ist der erste und mit Abstand wichtigste Schritt von allen. Oft ist es auch der einzig notwendige. Der Rest flutscht fast wie von selbst. Und wenn nicht? Einfach nochmal versuchen! NOBODY IS PERFECT ;-)

 

Alles Liebe!

 

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