Würde und Selbstrespekt - ein persönliches Geschenk an mich

Würde und Selbstrespekt - ein persönliches Geschenk an mich

Gehören Sie zu den Glücklichen, die schon alle Weihnachtsgeschenke beisammen haben? SUPER! Falls nicht, haben Sie wohl ohnehin keine Zeit, hier weiter zu lesen… ;-)

 

Also, alles abgehakt, niemanden vergessen? Obwohl… wie sieht es aus mit einem persönlichen Geschenk an Sie selbst? Der Gedanke kommt Ihnen komisch vor. Was soll das bitte sein? Ich hätte da einen Vorschlag: Würde und Selbstrespekt

 

Dazu möchte ich eine kurze Geschichte erzählen, die zum Nachdenken anregt. Sie handelt von Diogenes, einem altgriechischen Philosophen und Satiriker. Es ist eine Geschichte über die Verteidigung der eigenen Würde, der eigenen Bedürfnisse und des Selbstrespekts. Sie hat mich dazu veranlasst, diesen Blogartikel zu schreiben:

Es war einmal...

Eines Tages saß Diogenes auf der Schwelle irgend eines Hauses und aß einen Teller Linsen. Dazu muss man wissen: In ganz Athen gab es kein einfacheres, billigeres Essen, als dieses Linsengericht. Anders gesagt – einen Teller Linsen zu essen bedeutete, dass man sich in einer äußerst prekären Situation befand.

 

Ein Minister des Kaisers, der zufällig vorbeikam, sagte zu ihm: „Wie bedauerlich für dich, Diogenes! Wenn du lernen würdest, etwas unterwürfiger zu sein und dem Kaiser ein bisschen mehr zu schmeicheln, müsstest du nicht diese Linsen essen.“

 

Diogenes hörte auf zu essen, hob den Blick, sah dem wohlhabenden Gesprächspartner in die Augen und antwortete: „Bedauerlich für dich, Bruder. Wenn du lernen würdest, ein paar Linsen zu essen, müsstest du nicht so unterwürfig sein und dem Kaiser ständig schmeicheln.“

 

Quelle: Jorge Buchay, aus: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

 

Harte Währung

Was tun wir nicht alles, um gemocht zu werden? Um nicht allein zu sein? Wir sind zahm und mild obwohl sich uns innerlich der Magen umdreht. Wir lächeln und schweigen um des lieben Friedens willen. Wir zwingen uns jemand anderes zu sein, um gut anzukommen und dazu zu gehören. Um nicht anzuecken. Um zu gefallen.

 

Doch welchen Preis bezahlen wir dafür? Die Währung in der wir den Preis bezahlen, nennt sich Würde und Selbstrespekt. Das ist das Zahlungsmittel, das manchmal so locker sitzt und mit dem wir um uns werfen, als hätten wir einen ganzen Speicher voll davon, wie Dagobert Duck und seine Goldmünzen. Es lohnt aber, sich manchmal zu überlegen, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis hier noch angemessen ist. Ob es nicht Zeit wird, mal zu verhandeln. Ob wir nicht etwas besser auf unser Budget achten sollten.

 

Kontostand im Auge behalten

Ich streite nicht ab, dass es manchmal Sinn macht, Dinge zu akzeptieren und einfach zu schlucken. Dass es hin und wieder der einfachere Weg ist. Nachgeben, schweigen, über Dinge hinwegsehen. Etwas, das wir auch für uns selbst tun um Ruhe zu haben. Es gilt jedoch, unsere Grenzen nicht aus den Augen zu verlieren, da wir diese, meist unbemerkt, nur allzu leicht überschreiten.

 

Wenn wir uns dann schäbig, ausgenutzt und gereizt fühlen, könnte es sein, dass unser Konto „Selbstrespekt und Würde“ ganz schön in den Miesen ist. Dass wir so verschwenderisch damit waren uns zu verbiegen und selbst zu übergehen, bis nichts mehr ging. So dass dringend mal wieder eine Einzahlung nötig ist.

 

Hin und wieder ein Teller Linsen

Daher kann es hilfreich sein sich zu überlegen, zu welchem Preis man sich die vermeintliche Harmonie erkauft. Ob es nicht auch mal möglich wäre, in Seelenruhe NEIN zu sagen. Auf den Tisch zu hauen. Damit zu leben, nicht "everybody's darling" zu sein. Anzuecken. Auch mal für andere anstrengend und kompliziert zu sein. Hin und wieder den Teller Linsen zu essen. Und dafür in den Spiegel schauen

zu können. Vielleicht etwas durch den Wind aufgrund der ungewohnten Selbstbestimmtheit - aber mit einem zufriedenen Grinsen.

 

Gute Vorsätze

Auch im Hinblick auf die vielen guten Vorsätze für das neue Jahr wäre diese Haltung eine Überlegung wert:  Was sind wir nicht motiviert uns alles aufzuerlegen! Weniger bzw. gesünder essen, mehr Bewegung, netter sein, mehr lernen, produktiver werden, Dinge sofort erledigen, mehr Kontakte knüpfen, und und und.

 

Vieles davon ist grundsätzlich positiv und erstrebenswert, und dennoch…

 

Der Grund warum wir davon oft relativ rasch wieder abkommen ist doch, dass es anstrengend ist. Und nervig und unrealistisch obendrein.

 

Bevor wir also loslegen mit den guten Vorsätzen, könnten wir überlegen, FÜR WEN wir das eigentlich wollen. Ist es wirklich unser eigenes Bedürfnis oder nur der Versuch, besser, liebenswerter oder begehrter zu werden, in den Augen anderer? GIBT UNS DAS TATSÄCHLICH SO VIEL, DASS WIR UNS DAS ANTUN? Handelt es sich um unsere wahren Anliegen, unsere Herzensangelegenheiten? Oder wollen wir nur entsprechen, genügen, kooperieren, mithalten?

 

Respekt und Achtung = Energie

Selbstrespekt und Würde können eine Motivation sein, gegen bestimmte Dinge anzukämpfen. Manches NICHT MEHR zu akzeptieren. Gegen den Strom zu schwimmen und auch dazu zu stehen. Sich zu empören, wenn man sich selbst schlecht behandelt fühlt oder andere schlecht behandelt werden.

 

Wer sich selbst Respekt und Achtung entgegenbringt, beschenkt sich mit Energie. Diese Energie richtet einen auf, macht die Magengegend frei, verbessert die Haltung und macht den Rücken gerade. Diese Energie bringt uns Vertrauen und Sicherheit, die aus uns SELBST entspringt.

 

Wir schulden nicht nur anderen etwas, sondern auch uns – nämlich Würde, Selbstachtung und ein eigenes, selbstbestimmtes Leben.


Abschließend noch ein paar Tipps, Anregungen und Gedanken, um im Alltag mehr Würde und Selbstrespekt zu leben:

 

  • Lächeln Sie sich jedes Mal an, wenn Sie an einem Spiegel vorbeikommen. Das wirkt sich ungemein positiv auf Stimmung und Selbstbewusstsein aus. Machen Sie es einfach, es funktioniert
  • Schaffen Sie sich Zeit um zu überlegen was Ihnen wirklich entspricht – ein „Darüber muss ich erst nachdenken“ kommt manchmal leichter über die Lippen, als ein „Nein“
  • Seien Sie fair zu sich und vertrauen Sie darauf, dass es jemanden gibt, der Sie GENAU SO schätzt und liebt wie Sie sind: authentisch, geerdet. Mit Ecken und Kanten eben.
  • Wer sich geringschätzt oder seine Bedürfnisse ständig hinten anstellt, ist nicht im Einklang mit seiner Schöpfung. Sie dürfen also mit gutem Gewissen anspruchsvoller werden, was Ihre persönlichen Werte betrifft.
  • Behandeln Sie sich selbst wie Sie Ihren besten Freund behandeln würden. Je mehr wir uns respektieren, desto näher sind wir an unserer Quelle.

 

Wir sind es wert geliebt zu werden. Vor allem von uns selbst.

 

 

In diesem Sinne wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und einen guten, selbstbestimmten Start ins neue Jahr!

 

Alles Liebe!

 

P.S. Linsen schmecken gar nicht mal schlecht! Sollten Sie probieren ;-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Ernst Prötsch (Donnerstag, 21 Dezember 2017 20:54)

    Danke für diesen Artikel liebe Romana.
    Im Song "The greatest love of all" von Whitney Houston lauten Textpassagen auch "Learning to love yourself ..." und ".. they can't take away my dignity .. ". - Ist mir spontan zum Begriff "Würde" eingefallen. Schöne Feiertage!

  • #2

    Romana (Donnerstag, 21 Dezember 2017 21:33)

    Sehr gerne! Whitney habe ich schon lange nicht mehr gehört - danke für den Tipp! Frohes Fest und erholsame, schöne Feiertage!